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Schilddrüsenpraxis Josefstadt

Schwangerschaft und Schilddrüse

Während der Schwangerschaft sollte man besonderes Augenmerk auf die Schilddrüse legen: Schilddrüsenerkrankungen können neu auftreten und bekannte Schilddrüsenerkrankungen müssen öfter kontrolliert werden.

Was passiert mit der Schilddrüse in der Schwangerschaft?

Von Beginn der Schwangerschaft an steigt bei der Mutter der Bedarf an Schilddrüsenhormon, da das Baby ja mitversorgt werden muss. Das Schwangerschaftshormon Beta-hCG stimuliert die Hormonproduktion der Schilddrüse. Für die Bildung von Schilddrüsenhormon braucht der Körper Jod, daher steigt auch der Jodbedarf. Es ist in dieser Zeit außerdem ganz normal, dass sich die Schilddrüse ein bisschen vergrößert. Die gesunde Schilddrüse kann sich diesen Gegebenheiten anpassen.
Besonders bis zur 12. Schwangerschaftswoche ist das Baby von der Schilddrüsenhormonproduktion der Mutter abhängig. Erst dann kann das Baby selbst geringe Mengen Schilddrüsenhormon produzieren. Der Regelkreis zur Steuerung der Schilddrüsenhormonproduktion beim Kind ist aber erst Wochen nach der Geburt voll ausgereift.

Ich bin schwanger und muss plötzlich Schilddrüsenhormone nehmen – warum?

Die gesunde Schilddrüse kommt mit den besonderen Anforderungen der Schwangerschaft problemlos zurecht.
Besteht jedoch schon vor der Schwangerschaft eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Schwäche in der Hormonproduktion, die man ohne Schwangerschaft vielleicht gar nicht bemerkt hätte, braucht die Schilddrüse Unterstützung. Mithilfe von Schilddrüsenhormontabletten wird das heranwachsende Baby so mit lebensnotwendigem Schilddrüsenhormon versorgt, das Sie selbst eventuell nicht in ausreichender Menge bilden können.

Schilddrüsenunterfunktion und schwanger – was nun?

Wenn Sie bereits vor der Schwangerschaft Schilddrüsenhormontabletten eingenommen haben, dürfen Sie diese keinesfalls nach Eintreten einer Schwangerschaft absetzen. Bereits um die 8. Schwangerschaftswoche wird die Schilddrüse kontrolliert: Im Ultraschall wird die Größe der Schilddrüse und die Aktivität der Entzündung beurteilt und anhand der Blutwerte die Schilddrüsenfunktion ermittelt. So kann Ihr Schilddrüsenarzt bereits in der Frühschwangerschaft (falls nötig) die Medikamentendosierung anpassen. Danach sind meist engmaschige Kontrollen der Schilddrüsenblutwerte notwendig.

Schilddrüsenultraschall-Untersuchung bei einer schwangeren FrauEine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse kann in der Schwangerschaft jederzeit durchgeführt werden

Morbus Basedow und schwanger – was nun?

Wenn Sie Morbus Basedow haben und schwanger sind, sollten Sie am besten gleich einen Termin beim Schilddrüsenspezialisten vereinbaren. Regelmäßige Kontrollen und entsprechende Anpassungen der Medikamente sind während der Schwangerschaft immer wieder erforderlich.

Soll ich in der Schwangerschaft Jod nehmen?

Besonders zu Beginn der Schwangerschaft steigt bei der Mutter der Bedarf an Schilddrüsenhormon, zur Produktion wird Jod benötigt. Bei manchen Schwangeren mit einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse können Nahrungsergänzungsmittel mit Jod zwar den Krankheitsverlauf beschleunigen, die Vorteile für das Baby überwiegen aber fast immer.
Nur bei aktivem Morbus Basedow mit Überfunktion und einzelnen Patientinnen mit Hashimoto-Thyreoiditis ist ein Nahrungsergänzungsmittel ohne Jod besser. Fragen Sie am besten Ihren Schilddrüsenarzt.

Darf ich in der Schwangerschaft Schilddrüsenmedikamente nehmen?

Ja, im Gegensatz zu vielen anderen Medikamenten. Bei manchen Frauen sind Schilddrüsentabletten in der Schwangerschaft sogar unbedingt notwendig – natürlich nur nach ärztlicher Empfehlung und in der richtigen Dosierung.
In der Schwangerschaft gelten im Labor andere Zielbereiche. Die Schilddrüsenblutwerte müssen also nicht nur regelmäßig kontrolliert, sondern auch richtig interpretiert werden. In dieser Zeit ist daher eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Frauenarzt und dem Schilddrüsenexperten wichtig.

Wie wirken die Schilddrüsenmedikamente auf das Baby?

Schilddrüsenhormontabletten, die man bei Unterfunktion einnimmt, wirken genauso wie das im Körper der Mutter produzierte Schilddrüsenhormon: Das enthaltene Thyroxin (T4) wird ab Beginn der Schwangerschaft über die Plazenta zum Baby transportiert – so lange, bis dieses selbst genug Schilddrüsenhormon produzieren kann.
Thyreostatika, die man bei Überfunktion einnimmt, werden während der gesamten Schwangerschaft über die Plazenta zum Baby transportiert. Es sind engmaschige Blutkontrollen notwendig, keinesfalls dürfen gleichzeitig Schilddrüsenhormontabletten eingenommen werden. Thyreostatika dürfen während der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit dem betreuenden Schilddrüsenspezialisten abgesetzt werden.

Schematische Zeichnung von Baby und Plazenta in der GebärmutterIn der Gebärmutter wächst das Baby und wird von der Plazenta mit Nährstoffen versorgt

Ist die Schilddrüsenerkrankung gefährlich für das Baby?

Eine unbehandelte Schilddrüsenfunktionsstörung in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für eine Fehlgeburt. Wenn das heranwachsende Baby zu wenig Schilddrüsenhormon bekommt, kann die geistige und körperliche Entwicklung beeinträchtigt sein.
Aber keine Sorge: Ist die Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft gut eingestellt, besteht keine Gefahr für das Baby. Lassen Sie die Schilddrüse regelmäßig kontrollieren und nehmen Sie die Schilddrüsenmedikamente so ein, wie es Ihr Arzt empfohlen hat.

Was passiert mit der Schilddrüse nach der Schwangerschaft?

Nach der Entbindung sinkt der Bedarf an Schilddrüsenhormon. Die gesunde Schilddrüse fährt ihre Hormonproduktion ganz von alleine wieder hinunter. Bei einer gestörten Schilddrüsenfunktion hingegen ist es nötig, die Medikamentendosis entsprechend anzupassen. Durch die hormonelle Umstellung nach der Entbindung kann es zum Beispiel in der Stillzeit außerdem zu vorübergehenden Funktionsschwankungen kommen, die erkannt und richtig behandelt werden müssen.

Autoimmunerkrankungen sind in der Schwangerschaft weniger aktiv als sonst. Nach Geburt kommt es regelmäßig zu einer Verschlechterung. In den ersten Monaten nach Entbindung wird durch Zellzerfall einige Wochen lang vermehrt Schilddrüsenhormon ins Blut ausgeschüttet und es kann zu einer meist einigen Wochen dauernden Überfunktion kommen, die dann recht schnell in eine Schilddrüsenunterfunktion übergehen kann. Es ist manchmal nicht ganz einfach, diese Post partum Thyreoiditis gegen einen beginnenden Morbus Basedow abzugrenzen.

Wenn Sie während der Schwangerschaft Schilddrüsentabletten nehmen müssen, wird Ihr Arzt Ihnen bei der letzten Kontrolle vor der Geburt sagen, in welcher Dosierung Sie die Medikamente bis zur Entbindung und gleich danach einnehmen sollen und wann wieder eine Kontrolle der Schilddrüsenfunktion notwendig ist.

Kleiner Bub begleitet die Mutter zur SchilddrüsenuntersuchungKinder begleiten gerne ihre Mütter zur Schilddrüsenuntersuchung

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