Klassifikationen bei der Feinnadelpunktion der Schilddrüse: Bethesda und ÖGZ
Warum Klassifikationen?
Die Schilddrüsen-Zellen, die bei einer Feinnadelpunktion gewonnen werden, werden anschliessend unter dem Mikroskop beurteilt, um das Risiko für Bösartigkeit bestmöglich einzuschätzen. Dazu werden die Ergebnisse in verschieden Gruppen klassifiziert. So kann das Ergebnis der Biopsie bestmöglich eingeschätzt werden.
Bethesda Klassifikation
Die Bethesda Klassifikation wurde erstmals 2009 vorgestellt und speziell dazu entwickelt, die Bösartigkeit von Veränderungen in der Schilddrüse möglichst exakt einzuschätzen. Die 6 unterschiedlichen Bewertungskategorien gehen mit unterschiedlichem statistischen Krebsrisiko einher und erlauben eine ganz klare Risikoeinschätzung von Knoten in der Schilddrüse.
Bethesda I: Die Kriterien nach der Bethesda Klassifikation werden sehr streng gehandhabt, und es werden zur Beurteilung zumindest 6 Zellverbände mit zumindest 10 Zellen gefordert. Wird dies nicht erfüllt, so wird das Punktat formell als "Nicht diagnostisch bzw. unzureichendes Material" klassifiziert.
Bethesda II: Gutartig. Das Krebsrisiko der Läsion ist extrem gering. Die weitere Prognose ist hervorragend.
Bethesda III: In diese sehr kleine Gruppe fällt eine ganz spezielle Form von Schilddrüsenknoten, die durch die Punktion nur sehr schwer chararkterisiert werden kann. Wenn sich eine "Atypie unklarer Signifikanz" (AUS) und eine"Follikuläre Läsion unklarer Signifikanz" (FLUS) findet, dann sind ausreichend Zellen zur Beurteilung vorhanden. Aufgrund des ganz speziellen Zellmusters wird aber eine nochmalige Punktion empfohlen, um konkretere Einschätzungen zur Gut- oder Bösartigkeit zu geben.
Bethesda IV: Follikuläre Neoplasie bzw. Verdacht auf follikuläre Neoplasie. Bei follikulären Tumoren grenzen Kapseldurchbruch bzw. Gefäßdurchbruch das (gutartige) Adenom vom (bösartigen) Karzinom ab. Die Krebs-Wahrscheinlichkeit liegt bei 15-30%.
Bethesda V: Das gewonnene Gewebe ist verdächtig für das Vorliegen eines Karzinoms. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch und liegt bei 60-75%.
Bethesda VI: Die Zellen zeigen das Bild eines Schilddrüsenkarzinoms (Krebswahrscheinlichkeit 97-99%).
ÖGZ Klassifikation
Die Klassifikation der Österreichischen Gesellschaft für Zytologie (ÖGZ) ist in Österreich schon lange etabliert und wird seit 2015 einheitlich in ganz Österreich verwendet. Sie ist eng an die Bethesda Klassifikation angelehnt. Meist wird inzwischen zusätzlich zur ÖGZ Klassifikation auch die Bethesda Gruppe angeführt.
ÖGZ 0: Nicht diagnostisch/nicht aussagekräftig.
ÖGZ A: Benigne.
ÖGZ B0: Atypie unklarer Bedeutung bzw. Follikuläre Läsion unklarer Bedeutung.
ÖGZ B1: Follikuläre Neoplasie bzw. Verdacht auf follikuläre Neoplasie.
ÖGZ B2: Verdacht auf Malignität.
ÖGZ C: Maligne.
Stellenwert der Feinnadelpunktion bei der Knotenabklärung
Beim Schilddrüsenultraschall helfen einzelne sonografische Charakteristika, aus den zahlreichen Knoten jene zu identifizieren, die möglicherweise bösartig sein könnten und daher weiter abgeklärt werden müssen. Verschiedene Klassifikationssysteme (TIRADS) können hier hilfreich sein. Im Fachjargon spricht man von "hoher Sensitivität".
Im früheren Jodmangelgebiet Österreich hat die Szintigrafie weiterhin einen hohen Stellenwert: Bei Knoten, die aufgrund der Ultraschalluntersuchung weiter abklärungsbedürftig sind, hilft die Szintigrafie, um "heiße" (funktionell autonome) Knoten zu erkennen. Ist eine funktionelle Autonomie ausgeschlossen, dann ist bei solchen Knoten eine Punktion indiziert.
Eine ultraschallgezielte Feinnadelpunktion hat nämlich eine "hohe Spezifität": Wenn sich in der Feinnadelpunktion bösartige Zellen finden, dann muß normalerweise operiert werden. Das Krebs-Risiko ist hier sehr hoch.
Ganz klare Entscheidungsbäume helfen zu erkennen, wo abwarten und kontrollieren die beste Empfehlung ist, und identifizieren jene Patienten, die von einer Operation profitieren.

