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Schilddrüsenpraxis Josefstadt

Schilddrüsen-Antikörper:

Bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse produziert das Immunsystem "irrtümlich" Antkörper gegen Schilddrüsengewebe. Wenn hohe Spiegel an Schilddrüsen-Autoantikörpern im Blut gemessen werden, führt dies oft zu einer großen Verunsicherung. Prinzipiell sind zwei verschiedene Situationen zu unterscheiden: Die chronische Immunthyreoiditis und der Morbus Basedow. Nur selten kommen Mischformen vor.

TPO-Antikörper und Thyreoglobulin-Antikörper

Bei der chronischen Immunthyreoiditis produziert das Immunsystem "irrtümlicherweise" Antikörper gegen Thyreoperoxydase (TPO-Ak) und Thyreoglobulin (Tg-Ak, manchmal auch TAK). Anfangs findet sich bei dieser Erkrankung lediglich im Ultraschall das Muster einer vermehrten Entzündungsreaktion im Schilddrüsengewebe, erst später - oft erst nach vielen Jahren - werden erhöhte Antikörperspiegel im Blut nachgewiesen. Es kann dann viele weitere Jahre, sogar Jahrzehnte dauern bis es zu einer Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion kommt. Erhöhte TPO- oder Tg- Antikörper-Titer an sich müssen nicht behandelt werden. Erst wenn es zu einer Veränderung der Schilddrüsenfunktion kommt - und das kann viele Jahre dauern - können Beschwerden auftreten.

TPO-Antikörper (TPO-Ak)

TPO-Antikörper können sehr häufig im Blut nachgewiesen werden, diese finden sich vereinzelt auch bei Gesunden. Bei der chronischen Immunthyreoiditis sind TPO-Antikörper ab einer gewissen Erkrankunsphase meist deutlich erhöht und können Werte bis 1.000 IU/ml oder je nach Bestimmungsmethode sogar 3.000 IU/ml erreichen. Die Antikörper bleiben jahrelang hoch und sinken oft erst nach Jahrzehnten wieder. Sie sind für die Diagnosestellung wichtig, haben aber nur einen sehr eingeschränkten Stellenwert für die Verlaufskontrolle bei bekannter chronischer Immunthyreoiditis. Das heißt, dass die Höhe der TPO-Antikörper nichts genaues darüber aussagen kann, wie sich die Hashimoto-Erkrankung entwickelt.

Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-Ak, TAK)

Tg-Antikörper sind bei der chronischen Immunthyreoiditis ebenfalls oft erhöht und können ebenfalls sehr hohe Werte im Blut erreichen. Insbesondere bei knotig-umgeformter Schilddrüse sind alleinige Thyreoglobulin-Antikörper-Erhöhungen nicht selten. Wie bei den TPO-Antikörpern gilt auch hier, dass diese jahrzehntelang erhöht bleiben können und sehr hohe Werte erreichen können.

Wichtig sind Thyreoglobulin-Antikörper bei Patienten mit Zustand nach Schilddrüsenkarzinom, die operiert und radiojodtherapiert wurden. In dieser speziellen Situation kann der Thyreoglobulin-Spiegel im Blut als Tumormarker verwendet werden. Thyreoglobulin-Antikörper können die Höhe des Thyreoglobulinspiegels im Blut beeinflussen und müssen bei der Interpretation des Tumormarkers Thyreoglobulin hier mitberücksichtigt werden.

TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK)

Antikörper gegen den TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) spiel bei der Ausbildung des Morbus Basedow eine große Rolle. Diese führen dazu, dass sich eine Entzündung in der Schilddrüse entwickelt, und vermehrt Schilddrüsenhormon produziert wird. Dadurch kommt es zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Hier ist die Situation etwas komplizierter. Es gibt stimulierende und selten auch blockierende TSH Rezeptor Antikörper, die mit konventionellen Bestimmungsmethoden nicht unterschieden werden können. Die Höhe des TSH-Rezeptor-Antikörpers liefert im Gegensatz zu den beiden anderen Schilddrüsen-Autoantkörpern einen Hinweis auf die Aktivität des Morbus Basedow und hilft, den Verlauf der Erkrankung zu prognostizieren.

Erhöhte Titer an TRAK binden nicht nur am Schilddrüsengewebe, sondern auch an anderen Geweben im Körper: Wenn dadurch an den Muskeln und am Bindegewebe hinter dem Auge eine Entzündungsreaktion hervorgerufen wird, nennt man dies "Endokrine Orbitopathie" oder "Basedow'sche Glotzaugen". TSH Rezepteor Antikörper können auch am Unterschenkel am Bindegewebe vor dem Schienbein eine lokal begrente Entzündungsreaktion hervorrufen: das "prätibiale Myxödem".

Antikörperspiegel senken

Lassen Sie sich nicht verunsichern: Wie bereits erwähnt, müssen erhöhte TPO-Ak oder Tg-Ak an sich nicht behandelt werden. Das Spurenelement Selen kann erhöhte Antikörpertiter senken und den Verlauf der Autoimmunerkrankung verlangsamen. Am besten besprechen Sie beim nächsten Kontrolltermin mit unseren Experten, ob in Ihrer speziellen Situation bereits eine Behandlung erforderlich ist.

 

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